ARTIST-STATEMENT
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Äußerer Druck löst innere Veränderungen aus – in der Biologie wird dieser Vorgang Mechanotransduktion genannt. Mich interessiert, wie gesellschaftlicher, politischer und globaler Druck in die persönliche Innen- und Lebenswelt hineinwirkt.
Auf vielen Ebenen geraten vertraute Sicherheiten ins Wanken. Unruhe, gesellschaftliche Spannungen, Krisen und Zukunftsängste prägen zunehmend den Alltag. Angst wird immer häufiger zur Grundlage von Entscheidungen. Mit meiner Malerei beschäftige ich mich mit dieser sich zuspitzenden Situation. Ohnmacht und Ausgesetztsein spielen dabei eine zentrale Rolle, ebenso die Sorge vor einem möglichen Wiedererstarken faschistischer Ideologien.
Meine Arbeit verstehe ich als das Umkreisen einer Situation, die ich zu Beginn noch nicht vollständig verstehe. Häufig arbeite ich mit Methoden, die Zufall in den Malprozess einbeziehen. Ich lasse Dinge entstehen, die sich meiner Kontrolle teilweise entziehen und deren Ausgang offen bleibt. In der Musik wird ein solches Vorgehen als Aleatorik bezeichnet.
Dabei beschäftige ich mich oft mit dem Fremden und Unbekannten. Dieses Andere lässt sich eigentlich nicht direkt darstellen. Sobald wir versuchen, ihm eine Form zu geben, entsteht es aus Zuschreibungen, Vorstellungen und Gefühlen. Mich interessiert, welche Bilder wir vom Fremden erzeugen und welche Ängste oder Erwartungen wir damit verbinden. Das Fremde sagt deshalb häufig ebenso viel über diejenigen aus, die es betrachten, wie über das, was betrachtet wird.
Im Zentrum meiner Arbeitsweise steht deshalb Othering als politische und malerische Praxis. Ich untersuche, wie das Unbekannte auf Betrachter:innen wirkt – und welche Rolle dabei die eigene Wahrnehmung spielt. In beklemmenden, künstlich wirkenden Landschaften erscheinen fremdartige Gestalten, in denen äußerer Druck und gesellschaftliche Spannungen Form annehmen. Dabei interessiert mich auch die Frage, ob und warum uns diese Figuren bedrohlich erscheinen.
Thematisch bewegt sich die Arbeit zwischen Anthropomorphismus, Xenophobie und Fremdenhass. Mich interessiert, wie eng diese Phänomene miteinander verbunden sind und wie leicht sie politisch instrumentalisiert werden können. Das Unbekannte wird häufig vermenschlicht, mit Absichten, Eigenschaften und Gefühlen versehen und dadurch erst lesbar gemacht. Gleichzeitig können genau solche Projektionen Ängste erzeugen und politische Ausschlüsse begünstigen.
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Ein wichtiger Einfluss sind dabei Darstellungen von Aliens in der Popkultur. Sie verkörpern das radikal Fremde und sind uns gleichzeitig oft erstaunlich ähnlich. Gerade dieser Widerspruch fasziniert mich. Er zeigt, dass unsere Vorstellungen vom Anderen immer auch von uns selbst geprägt sind. Anthropomorphismus – diese menschliche Tendenz, dem Nichtmenschlichen menschliche Eigenschaften zuzuschreiben – spielt für meine Arbeit eine wichtige Rolle. Sie zeigt, dass wir das Fremde meist durch unsere eigenen Vorstellungen, Ängste und Wünsche wahrnehmen.
Durch die Auseinandersetzung mit dem Anderen wird auch das Eigene sichtbar. Schon das Wort „Wir“ ist politisch, weil es immer zugleich diejenigen benennt, die nicht dazugehören. Vorstellungen vom Fremden entstehen nie unabhängig von uns selbst, sondern sind eng mit unseren Ängsten, Wünschen und Selbstbildern verbunden. Das Andere fungiert dabei oft als Projektionsfläche für das, was wir nicht verstehen, nicht kontrollieren oder nicht an uns selbst wahrhaben wollen.
Manchmal gehe ich deshalb von mir selbst aus und nutze Fotografien meines Äußeren als Ausgangspunkt. In verfremdeten Selbstbildern untersuche ich, wie viel Eigenes im Fremden steckt – und wie viel Fremdes im Eigenen. Durch malerische Eingriffe, Verschiebungen und Überformungen entstehen Figuren, die zwischen Selbstporträt und unbekanntem Wesen oszillieren. Sie sind weder eindeutig ich noch vollständig andere.
Mich interessiert dabei die Instabilität des Selbstbildes. Identität erscheint nicht als etwas Festes oder Abgeschlossenes, sondern als etwas, das ständig durch äußere Einflüsse, gesellschaftliche Zuschreibungen und innere Konflikte mitgeformt wird. Die verfremdeten Selbstbilder machen diesen Prozess sichtbar. Sie stellen die Frage, wo die Grenze zwischen dem Eigenen und dem Fremden verläuft – und ob eine solche Grenze überhaupt eindeutig gezogen werden kann.
So wird die Begegnung mit dem Anderen zugleich zu einer Begegnung mit den unbekannten oder verdrängten Anteilen des Selbst. Das Fremde erscheint dann nicht mehr nur als etwas außerhalb von uns, sondern auch als etwas, das bereits in uns angelegt ist.










